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I
Gestaltgesetze |
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Gestaltgesetze der Wahrnehmung
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Die Gestaltpsychologie ist eine Richtung, welche sich besonders im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts entwickelte. Neu an die-
sem Zweig der Psychologie war vor allem die ganzheitliche Betrachtung verschiedener Phänomene. Das Wort Gestalt bedeutet das Ganze - in seiner Gesamtheit (vgl. Dorsch, 1994; S. 287). Der Grundgedanken läßt sich mit dem Satz ausdrücken: Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Ein-
zelteile (vgl. Felser, 1997; S.78).
Ein großes Themenfeld der Gestaltpsycho-logie ist die Wahrnehmung. Neben der phä-
nomenologischen Sichtweise (vgl. Katz, 1969; S. 26-29) sind es vor allem die Er-
kenntnisse über die Gestaltgesetze der Wahrnehmung, die bis heute bekannt ge-
blieben sind. Mit diesen Forschungen |
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verbinden sich die Namen Max Wertheimer, Wolfgang Köhler und Kurt Kofka. Die Wahrnehmungsphänomene werden in ihrer Gesamtheit betrachtet und nicht in einzelne Elemente zerlegt, denn daß würde ihrer Komplexität nicht gerecht werden (vgl. Schönpflug & Schönpflug, 1995; S. 127). Das heißt, wir versuchen immer die wahr-
zunehmenden Gegenstände in eine sinn-
volle Form mit bestimmten Struktur, Har-
monie und Prägnanz zu bringen (vgl. Felser, 1997; S. 78). Als Beispiel kann man sich folgende vier Buchstaben der Abbildung ansehen: Automatisch wird man das Wort Haus lesen und damit versuchen, eine Struktur in den vier Elementen zu finden. Unter dem Begriff Prägnanz versteht man Regelhaftigkeit, Einfachheit, Geschlos-
senheit und Symmetrie - die gute Gestalt (vgl. Katz, 1969; S. 51).
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Strukturbildung bei Wahrnehmungsprozessen
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Wolfgang Köhler (1920) formulierte dazu ei-
ne Annahme, nach der die Gestalten, wel-
che wir wahrnehmen in der Umwelt ihre na-
türlichen Entsprechungen haben. Umwelt und menschliches Bewußtsein sind iso-
morph, das heißt gleich. Somit ist die Wah-
rnehmung nicht abhängig von der Umwelt, sondern nur gleichgerichtet auf Grund der gleichen Strukturen (vgl. Schönpflug & Schönpflug, 1995; S. 127). Belegt wurden die Annahmen durch die Formulierung der Gestaltgesetze.
1. Figur und Grund - Dieses Gesetz besagt, daß eine Figur, also der relevante Gegenstand, sich von einem Hintergrund (Grund) abhebt. Ist dies nicht der Fall, können Wahrnehmungsobjekte mehr-
deutig sein (vgl. Felser, 1997; S. 79).
2. Gesetz der Nähe - Wenn verschiedene Gruppen von Objekten wahrgenommen
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werden, werden diejenigen als zusammengehörig aufgefaßt, welche nah beieinander liegen (vgl. Katz, 1969; S.
34-35).
3. Gesetz der Ähnlichkeit - Diese Annahme meint, daß Objekte mit gleichen oder ähnlichen Eigenschaften als ein zusam- mengehörige Gruppe wahrgenommen werden. Bei dem ähnlichen Merkmal
kann es sich um Form, Farbe oder /und
Bewegung handeln (Katz, 1969; S. 35).
4. Gesetz der Geschlossenheit - Unser Wahrnehmungssystem hat die Tendenz, unvollständige Dinge zu vervollständigen. Geschlossene Figuren sind zum Beispiel Kreise oder Vielecke (vgl. Katz, 1969; S. 35). Solche Vervollständigungen ge-
schehen bereits in der Area V2 des
menschlichen Gehirns.
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5. Gesetz der Erfahrung /Erwartung - Das
Gesetz begründet u.a. das Überlesen von
Rechtschreibfehlern beim Schreiben.
Unser Gehirn liest automatisch das richt-
ige Wort, obwohl es objektiv falsch ge-
schrieben dasteht. Das bedeutet, wir
analysieren nicht jede Wahrnehmung
neu, sondern nehmen das vorweg, was
durch unsere Erfahrung wahrscheinlich
ist (vgl. Felser, 1997; S.80). Man könnte
diesen Vorgang auch mit Hilfe von
Priming-Prozessen erklären. Es fand
demnach eine assoziative Bahnung statt
(vgl. Engelkamp, 1990; S. 82-83).
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6. Gesetz der Kontinuität - Nach
Wertheimer (1925) neigt unserer
Wahrnehmungssystem dazu, Objekte
zeitlich aufeinander zu beziehen. Daraus resultiert der Eindruck einer Bewegung.
Das Gesetz findet beispielsweise seine Anwendung bei Kinofilmen (vgl. Köhler,
1971; S. 29), denn eine Sekunde eines
Filmes besteht aus genau 24 statischen
Bildern.
Aus der Gestaltpsychologie sind weiterhin umfangreiche Arbeiten zu Phänomenen der optischen Täuschungen hervorgegangen (z.B. Wertheimer, 1925; S. 2-105).
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Literatur
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Dorsch, F., Häcker, H., Stapf, K. (Hrsg.). (1994). Psychologisches Wörterbuch. Bern / Göttingen: Hans Huber
Engelkamp, J. (1990). Das menschliche Gedächtnis. Göttingen: Hogrefe
Felser, G. (1997). Werbe- und Konsumentenpsychologie. Berlin: Schäffer-Poeschel.
Katz, D. (1969). Gestaltpsychologie. Basel /Stuttgart: Schwabe
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Köhler, W. (1971). Die Aufgabe der Gestaltpsychologie. Berlin: de Gruyter
Schönpflug, W., Schönpflug, U. (1995). Psychologie. Weinheim: Beltz.
Wertheimer, M. (1925). Drei Abhandlungen zur Gestaltpsychologie. Erlangen: Philosophische Akademie
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